Hochachtung

Heute will und muss ich euch einmal von unserem Gast erzählen.

Ich bin bei mir im Hotel nicht nur für das Getränkebuffet am Vormittag und Mittag zuständig, sondern auch für das Zusammenstellen und Hochbringen der Roomservicebestellungen.

Heute fand ich mal wieder einen Zettel vor, der mich gleich von unserer Einteilungsliste her „begrüßte“. Handschriftlich hat der Spätdienst mir eine Roomservicebestellung notiert.

Der Blick auf den Gastnamen ließ mich sofort wissen, dass dieser Mensch ein ganz Besonderer ist.

Er bestellt sich immer wenn er im Hause ist sein Frühstück aufs Zimmer und immer wieder und wieder frage ich mich, ob ich ihm nicht tatsächlich doch etwas abnehmen soll, wie ich ihm helfen kann. Nicht weil er mir leid tut, sondern weil ich ihm seinen Aufenthalt so bequem wie möglich gestalten will.

Warum?
Dieser Herr hat keine Arme!

Die Umrisse unter seinem T-Shirt lassen es nur erahnen, wie weit seine oberen Gliedmaßen vorhanden sind. Er öffnet mir stets mit der linken Seite die Tür, aber die Rechnung unterschreibt er stets mit den Füßen. Ich finde es total faszinierend, wie geschickt er dabei vorgeht.

Ich biete ihm immer meine Hilfe an – er allerdings lehnt immerzu wehement ab. Neulich habe ich mich für meine Aufdringlichkeit entschuldigt. Es war mir selber peinlich, wie ich ihn wahrscheinlich wie ein kleines Kind behandelt habe.

Ohne es zugesagt bekommen zu haben, schneide ich ihm nun immer wenigstens die Brötchen auf, gebe einen Strohhalm zum Saft mit dazu und versuche alles so zu arrangieren, dass er es leicht greifen kann.

Ich mag ihn! Er ist ein toller Mensch, der einfach eine wundervolle Ausstrahlung hat. Er lässt sich von seinem Leben einfach nicht unterkriegen und versucht sein Bestmöglichstes daraus zu machen – aber ohne dass man ihn dabei nörgeln hört.

Faszinierend!

Hast du mal versucht, dich in die Lebensweisen eines anderen hineinzuversetzen? Es ist gar nicht so einfach. Man nimmt Behinderungen entweder hin oder schaut diejenigen mit einer Behinderung komisch an, aber was es tatsächlich bedeutet mit einer Behinderung zu leben, darüber denkt man nie so wirklich nach.

2 thoughts on “Hochachtung

  1. Ich habe letzte Woche (vielleicht auch vor zwei Wochen) eine Reportage gesehen, wo es darum ging, dass durch ein bestimmtes Medikament in den 70er Jahren viele Kinder ohne oder mit missgebildeten Armen geboren worden.
    Ich finde es sehr faszinierend, wie diese Menschen ihr Leben meistern und die haben meine Hochachtung dafür.

  2. Ein „Gesunder“ kann sich so einen Alltag garnicht vorstellen.

    „Behindert“ ist auch irgendwie das falsche Wort, weil hindern lassen sich viele dieser Menschen nicht. Ich kenne einen Mann im Rollstuhl,der mit diesem schon die halbe Welt bereist hat, obwohl er in therap. Dauerbehandlung und sehr eingeschränkt ist.
    Meine Hochachtung haben sie und warscheinlich sind sie näher am richtigen Leben als wir sog. Gesunden.

    Grüßle

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